martina braun
martina braun

DIE PRÄMENOPAUSE – DIE ERSTEN SYMPTOME DER WECHSELJAHRE MIT 40, WAS IST DAS DENN UND KANN ICH DAS ZURÜCKGEBEN?

Also, eines gleich vorweg: Die Prämenopause mit Ihren verwirrenden Veränderungen ist ab 40+ deine stetige Begleiterin und nein, es gibt keine Retoure-Möglichkeit. Du solltest dich aber auch nicht einfach damit abfinden und alles über dich ergehen lassen, sondern dich ab sofort mit diesem Thema auseinandersetzen, denn es gibt Optionen!

Aber der Reihe nach:

Ich kann es fast selbst nicht glauben, ich bin jetzt 42 Jahre alt und schreibe einen Artikel über die Wechseljahre. Also genauer gesagt über den Beginn der Wechseljahre – und noch genauer: der Beginn meiner Wechseljahre! Ein Thema, das selbst in unserer Zeit noch immer mit viel zu viel Scham behaftet ist und bei dem es noch viel zu viel Unklarheiten gibt, die wir endlich aus der Welt schaffen sollten.

Ich will offen darüber reden, dass es völlig normal ist, wenn es in den späten 30ern schon losgeht, und dass ab dann unser Leben auf den Kopf gestellt werden kann – emotional und körperlich! Diese Veränderung darf kein Tabu sein, ganz im Gegenteil. Es ist wichtig offen darüber reden zu können, um uns gegenseitig besser zu unterstützen.

Es ist mein Wunsch, dass wir die weibliche Schwarmintelligenz nutzen und uns helfen, den Start in den vielleicht wertvollsten Lebensabschnitt bewusst und mit erhobenem Haupt zu erleben.

MIT WAS HAT ES BEI MIR ANGEFANGEN?

Ehrlich gesagt kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten. Denn es gab keinen Startschuss wie bei einem 100 Meter – Lauf, dank dem ich wusste, dass es jetzt losgeht. Ganz und gar nicht.

MEIN ZYKLUS

Jetzt im Nachhinein glaube ich, dass ich meine körperlichen Veränderungen wohl als erstes wahrgenommen habe. Es kam langsam und völlig unbewusst. Mein plötzlich eher unregelmässiger Zyklus, der aber nicht von heute auf morgen komplett aus dem Raster fiel, sondern immer mal wieder von der gewohnten Regelmässigkeit abwich. Mal war meine Menstruation stärker, mal schwächer, mal ein paar Tage länger, mal kürzer und auch mal mittendrin. Doch grundsätzlich immer noch so normal, dass ich mir einredete, der Stress im Job wäre die Ursache.

MEINE MÜDIGKEIT

Ausserdem hatte ich immer öfter Phasen in der ich mich wie ein ausgespuckter Kaugummi vorkam. Und wie fühlt sich so ein Kaugummi? Naja, ausgelutscht und verbraucht, ohne Energie und Antrieb, obwohl ich in dem Moment keiner aussergewöhnlichen Belastung ausgesetzt war. Ich kannte mich als motivierte und geradlinige Frau, die zielorientiert ihre Aufgaben erledigte und immer Spass an Neuen Ideen hatte. Plötzlich hatte ich nur noch Ideen und keine Motivation mehr. An manchen Tagen hatte ich das Gefühl, gar nicht so viel schlafen zu können, wie ich müde war. Und auch das schob ich aus Ermangelung an besserem Wissen auf möglichen Stress im Job.

MEIN GEWICHT

Tja, das liebe Gewicht. Von Zeit zu Zeit hatte ich das Gefühl, an der Nase herum geführt zu werden. Trotz der gleichbleibenden Zahl auf der Waage (trotz diverser Anstrengung bezüglich Gewichtsreduktion), merkte ich, dass Hosen plötzlich zwickten und Blusen eng wurden. Es fühlte sich so an, als würden sich meine Proportionen plötzlich um verlagern und jedes neue Gramm findet seinen Weg an meinen Bauchumfang. Zudem hatte ich plötzlich auch zyklusabhängige Gewichtsschwankungen begleitet von dickeren Waden und Knöcheln, was ich nur Erzählungen meiner Grossmutter kannte. Und um es noch unwirklicher zu machen, wurde das nicht plötzlich zum Dauerzustand, sondern schlich sich als Auf und Ab langsam in mein Leben.

MEINE GEFÜHLSWELT

Ich kann von mir behaupten, dass ich meine Gefühle ziemlich im Griff habe. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei gerade kurz dahingestellt, es ist halt so. Wenn ich jetzt also plötzlich Tränen überströmt vor dem Fernseher sitze, wenn alljährlich die neuesten rührseligen Weihnachtspots im Fernsehen präsentiert werden, dann kenne ich mich selbst nicht mehr. Gefühlsschwankungen stehen plötzlich auf der Tagesordnung und man hält andere Menschen von Zeit zu Zeit auch viel weniger aus als auch schon. Und das schlimme daran, ich konnte es nicht mit Worten beschreiben. Es war für mich ein unbekanntes Gefühl, das ich nicht zuordnen konnte und ich dachte ich spinne.

Weitere Symptome in dieser Phase können sein:

  • verstärkte PMS
  • Schmierblutungen
  • geschwollene Gelenke
  • schmerzende Brüste
  • schlechterer Schlaf
  • Migräne
  • Haarausfall
  • erste Hitzewallungen
  • …und viele mehr

Hier funktioniert auch jede Frau anders. Du kannst jedes der erwähnten Symptome bei dir spüren oder nur einzelne, oder sogar noch andere oder gar keine. Und dass das die Vorboten von noch viel mehr Veränderungen auf dem Weg zur und durch die Wechseljahre sind, war zumindest mir absolut nicht klar.  Ich verschwendete keinen Gedanken an die Wechseljahre und das war auch gut so! Und doch gab es bei mir wohl schon mit Ende 30 gewisse Veränderungen, die ich zu dem Zeitpunkt schlicht falsch eingeordnet habe. Doch die Umstellung im Hormonhaushalt fängt eben schon mit Ende 30 an. Die Eisprünge werden unregelmässiger und unvollständiger und dadurch verändert sich  unseren Hormonspiegel, welche dann zu den erwähnten Phänomenen führen können.

Bevor ich jetzt darauf eingehe, wie ich mit den neuen Umständen umgegangen bin bzw. gerne umgegangen wäre, möchte ich noch auf die verschiedenen Begrifflichkeiten bei diesem Thema eingehen und kurz darüber reden, warum die Wechseljahre ein Tabuthema sind.

WAS HEISST DENN JETZT WAS?

Wie ich inzwischen weiss, fängt alles mit der sogenannte Prämenopause an, die meist im Alter von 38 bis 44 stattfindet. Es ist die Vorstufe der Perimenopause, die eigentlichen Wechseljahre und kann bis zu 10 Jahre dauern. Die Perimenopause dauert bis zu 1 – 2 Jahre nach deiner letzten Periode und bezeichnet die eigentlichen Wechseljahre. Der Begriff Menopause, den wir alle kennen und stellvertretend für die Wechseljahre benutzen, bezeichnet eigentlich nur unsere letzte Periode vor einem Zeitraum von 12 Monaten ohne Blutung. Der Perimenopause folgt dann nahtlos die Postmenopause mit all ihren Herausforderungen.

WARUM HAT MIR DAS DENN KEINE(R) SCHON FRÜHER GESAGT?

Weil wir über die Wechseljahre nicht gerne reden. Es hat uns noch keiner vorgemacht, dass man ohne Scham über diese Lebensphase reden kann. Schon gar nicht in seinen 40ern, wo doch gemäss gängiger Auffassung die Wechseljahre noch überhaupt kein Thema sind. Also lasst uns endlich damit anfangen!

Es ist zwar jedem klar, dass sich Frauen ab einem gewissen Alter mit den Umständen der Wechseljahre abfinden müssen, doch darüber gibt es nichts zu diskutieren, geschweige denn, daran zu ändern. Unter diesen Voraussetzungen wird es also schwer, sich bereits in seinen 40ern mit diesem Thema zu beschäftigen.

Speziell die Perimenopause wird bei der Ausbildung von Ärzt*innen immer noch unzureichend behandelt. Als Konsequenz erfahren wir von unseren Gynäkolog*innen und Hausärzt*innen viel zu wenig Unterstützung, wenn wir sie am meisten brauchen. Vor allem in der Perimenopause, in der die Symptome eher verwaschen auftreten und nicht greifbar sind, wünscht man sich verständnisvolle und fachlich kompetente Anleitung, denn man kommt sich ja selbst schon irritiert genug vor.

Hier spielt auch die bekannte Thematik hinein, dass medizinische Erkenntnisse bis heute auf männlichen Körperkonstellationen basieren. Und da gibt es schlichtweg keine vergleichbaren Symptome während den Wechseljahren, die einen Rückschluss auf uns Frauen ermöglichen würden. Das Bewusstsein, das ein weiblicher Körper anders funktioniert als ein männlicher Körper, ist erst im Lauf der letzten paar Jahre entstanden und führt hoffentlich dazu, dass Frauengesundheit inklusive der Wechseljahrsymptome einen neuen Stellenwert bekommt.

Doch es liegt nicht nur an der Medizin, dass die hormonellen Veränderungen und einhergehenden Auswirkungen im Leben einer Frau keinen hohen Stellenwert erhalten. Es liegt auch an uns selbst. Auch für uns ist es schwierig, diese Phase anzuerkennen und mit den Veränderungen klarzukommen. Die Wechseljahre sind leider immer noch das Synonym für sichtbares Altern und davon will man mit 40 ganz und gar nichts hören. Man will weiterhin den Erwartungen von Familie und Partner und auch von sich selbst gerecht werden, und als jung, schön und ausnahmslos leistungsfähig wahrgenommen werden.

Es wird also verdrängt, wir verschweigen die beginnenden Anzeichen, überlasten uns und wundern uns, warum es nur schlimmer wird anstatt besser. Wir wollen nicht einmal mit unserer besten Freundin darüber reden, weil wir uns genieren und ja auch nicht sicher sind, ob‘s denn nun schon die ersten Anzeichen der Wechseljahre sind. Dabei wette ich darauf, dass die beste Freundin mit ähnlichen Themen kämpft und auch keine Schwäche zeigen will. Und das Gespräch mit unserer Mutter ist meist auch nicht zielführend, da die meisten hilflos mit den Schultern zucken und einen mit einem „Das ist halt so“ stehen lassen, ohne es böse zu meinen.

UND WIE SOLL ICH DENN JETZT DAMIT UMGEHEN?

Ihr werdet es ahnen, sich frühzeitig mit den Themen der Perimenopause zu beschäftigen lohnt sich. Es eröffnet uns wirklich neue Möglichkeiten und erleichtert die Schritte, die in den folgenden Phasen bis zur Postmenopause wichtig sind. Hier geht es nicht nur um ein oberflächliches Unwohlsein, sondern um unsere Gesundheit, die wir im Lauf der Wechseljahre beeinflussen können.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der auf jeden Fall einen eigenen Blog-Beitrag verdient. Jetzt beschäftigen wir uns erst einmal mit konkreten Schritten während der Perimenopause:

Mach es dir bewusst!

Achtung, wichtig! Auch wenn es abgedroschen klingt, es ist wahr. Der Weg zu mehr Klarheit geht übers Beobachten und Wahrnehmen. Du musst erst einmal herausfinden, was dich jetzt eigentlich plötzlich plagt, wie sich das anfühlt und wie oft das vorkommt. Alles beginnt meistens mit einer Reihe an Gefühlen, die man selbst nicht genau fassen kann oder man fühlt sich unwohl in seinem Körper, obwohl eigentlich kein Anlass dafür besteht. Mach dir das bewusst und schieb es nicht unbeachtet zur Seite, denn nichts ist kontraproduktiver, als sich selbst nicht ernst zu nehmen und etwas herunterzuspielen.

Eine hilfreiche Strategie kann sein, sich regelmässig in seinen Körper einzuchecken und einfach mal abwarten was dabei passiert. Idealerweise hast du dafür ein paar Minuten Ruhe und kannst dich auf dich konzentrieren. Mach einen Bodyscan, indem du gedanklich deinen ganzen Körper wahrnimmst und mal herausfindest, wie es denn so um die einzelnen Körperteile bestellt ist. Es handelt sich hierbei um eine Übung aus der Achtsamkeit und du findest dazu auch eine Reihe an geführten Übungen im Netz. Und ja, das muss man erst lernen und üben, doch es hilft dabei, dich besser zu verstehen.

Führe Buch über die Veränderungen deines Zyklus, über Schmerzen, Schwindel, PMS, etc. Meist glaubt man, dass man sich beim Arzt dann schon an alle Beschwerden erinnern kann, doch weit gefehlt. Schreib es auf, in dein Journal oder in eine App, egal wie – mach es!

Denn wenn du deine Beschwerden kennst und beschreiben kannst, kannst du auch klarer mit anderen darüber reden. Und auch für dich wird es vom Hirngespinst zur Tatsache und gewinnt dadurch an Wichtigkeit.

Such dir die richtige ärztliche Unterstützung!

Jetzt ist die beste Zeit, um sich vertrauenswürdige und kompetente ärztliche Unterstützung zu holen. Suche das Gespräch mit deinem*r Hausärzt*in oder Gynäkolog*in und erzähle ihnen wie es dir geht. Hast du noch einen Kinderwunsch? Dann gehe es jetzt an und warte nicht länger.  Solltest du dich beim ärztlichen Gespräch komisch vorkommen oder fühlst du dich nicht ernst genommen, dann denk darüber nach, dir jemand neues zu suchen. Es lohnt sich! Du wirst in den nächsten Jahren über einige eigentümliche Symptome sprechen und Entscheidungen für deine Gesundheit treffen müssen und dabei braucht man eine fähige Vertrauensperson an seiner Seite.

Hole dir bereits jetzt den Rat der Expert*innen, denn jetzt legst du den medizinischen Grundstein für die weiteren Phasen der Wechseljahre. Es ist hilfreich, wenn du jetzt dein Hormonlevel bestimmen lässt, das passiert über eine Blutabnahme. Wichtig hierbei ist der richtige Zeitpunkt, die Blutabnahme sollte nämlich in der Hochphase deines Zyklus stattfinden, als dann, wenn du dich hormonell am wohlsten fühlst. Das ist so zwischen dem 5. und 7.  Tag der Fall. Je nach Ergebnis kannst du mit deinem*r Ärzt*in bereits erste Massnahmen besprechen und einleiten.

Achte auf Ernährung und Sport!

Ja, jetzt ist es langsam an der Zeit, seine Gewohnheiten bei Essen und Bewegung zu überdenken. Vielleicht hast du schon gemerkt, dass deine bisherigen Essgewohnheiten plötzlich andere Auswirkungen haben als früher. Obwohl du das gleiche isst wie früher, nimmst du zu oder zumindest nicht ab. Willkommen in der Prämenopause. Dein sich jetzt ändernder Hormonhaushalt sorgt dafür, dass du Nahrung anders verarbeitest als in deinen 20ern. Plötzlich kann zu viel Fast Food und Nudeln zu einem rasanten Gewichtsanstieg führen und das Glas Rotwein sorgt unerwartet für einen dusseligen Kopf am nächsten Morgen.

Hier darfst du auf ein Neues herausfinden, was für dich funktioniert und was nicht. Die Prioritäten neu auf pflanzliche Ernährung zu legen ist sicher ein lohnender Ansatz. Reduziere Lebensmittel, die deinen Insulinspiegel nach oben treiben, denn das führt zu Fettaufbau – vor allem in der Bauchregion.

Achte zudem auf deinen tägliche Wasserzufuhr. Wenn du genügend trinkst, reduzierst du deinen Hunger und scheidest Giftstoffe besser aus. Ich weiss, dass mit dem Trinken ist so eine Sache. Bei mir funktioniert am besten die gefüllte Wasserflasche in Sichtweite, andere wiederum schwören auf einen Trink-Alarm via Smartphone. Und nur um es kurz erwähnt zu haben, Säfte, Limonaden oder Eistee sind nicht geeignet, um deinen Durst dauerhaft zu stillen, denn sie enthalten unnötige Kalorien. 

Doch bitte lass Essen und Trinken nicht zu etwas Schwierigem werden. Vergiss nicht bewusst zu Geniessen, den das macht dein Midlife schliesslich aus. Es soll Spass machen!

Dasselbe gilt für die Bewegung. Entkopple Sport vom Essen und bewege dich, um deinem Körper etwas Gutes zu tun, nicht nur um Gewicht zu reduzieren. Es macht Sinn sich spätestens jetzt Gedanken über Muskelaufbau – bzw. erhalt zu machen. Unsere Knochensubstanz und unsere Muskeln werden schneller abgebaut, wenn wir sie nicht belasten, daher machen Übungen mit deinem Körpergewicht oder Hanteln jetzt absolut Sinn.

Bitte mach dir bewusst, dass du erst am Anfang deiner Wechseljahre stehst. Alles, was du bereits jetzt investierst, macht es dir im weiteren Verlauf einfacher und die Überraschungen halten sich in Grenzen, da du schon vorbereitet bist.

FAZIT

Suche dir kompetente medizinische Unterstützung und fang schon jetzt mit kleinen Schritten an vorzusorgen. Es ist dein Körper und dein Recht auf Gesundheit!

Und am wichtigsten: rede darüber. Rede mit deinen Freundinnen, Arbeitskolleginnen und allen Frauen aus deiner Familie. Lerne von den anderen und teile deine Erfolgsstrategien. Denn Unterstützung macht den Unterschied.

Was sind deine Erfahrungen mit der Prämenopause? Hast du Fragen oder Anmerkungen? Dann schreib mir deine Geschichte in den Kommentaren oder per Mail unter kontakt@martinabraun.ch

crossmenu